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Technik & Sanierung
8 Min. Lesezeit
10. September 2026

Gasheizung umrüsten auf Wärmepumpe: der Weg im Mehrfamilienhaus

Die Gasheizung auf eine Wärmepumpe umrüsten heißt im Mehrfamilienhaus vor allem eines: Das alte Heizsystem im Keller wird ausgetauscht. Dieser Beitrag erklärt die Voraussetzungen, den Ablauf von der ersten Prüfung bis zur Inbetriebnahme und worauf es bei Technik, Kosten und Förderung ankommt.

Umrüsten heißt tauschen: was beim Wechsel von Gas auf Wärmepumpe passiert

Der Begriff Umrüstung führt leicht in die Irre. Eine bestehende Gasheizung lässt sich nicht auf Wärmepumpenbetrieb umbauen. Stattdessen wird der Wärmeerzeuger im Keller ausgetauscht, oft ergänzt um Anpassungen am Heizkreis und einen größeren Warmwasserspeicher. Wenn im Alltag von „Gasheizung umrüsten auf Wärmepumpe" die Rede ist, ist genau dieser Systemtausch gemeint.

Grundsätzlich lässt sich in fast jedes Gebäude eine Wärmepumpe einbauen. Entscheidend ist, wie effizient sie danach läuft. Das hängt stark vom energetischen Zustand des Gebäudes ab. Je mehr Wärme über Wände, Dach und Fenster verloren geht, desto mehr muss die Wärmepumpe arbeiten. Deshalb steht am Anfang immer eine Bestandsaufnahme.

Der erste Schritt: die Gebäudeenergieberatung

Vor jeder Planung steht die Gebäudeenergieberatung. Dabei wird das Haus auf seinen energetischen Zustand geprüft. Im Mittelpunkt steht der U-Wert. Er beschreibt, wie viel Wärme ein Bauteil nach außen durchlässt. Ein niedriger U-Wert bedeutet gute Dämmung und geringe Verluste, ein hoher U-Wert das Gegenteil.

Zur Beratung gehört auch ein Blick auf die räumlichen Voraussetzungen. Ist draußen genug Platz für die Außeneinheit der Wärmepumpe? Bietet der Keller Platz für die Hydraulik und für den meist größeren Warmwasserspeicher? So lassen sich mögliche Hürden früh erkennen, solange sie sich noch einfach lösen lassen und noch keine Tatsachen in Beton oder Anlage geschaffen wurden.

Die richtige Größe: Heizlastberechnung und Dimensionierung

Steht fest, dass das Gebäude geeignet ist, folgt die Heizlastberechnung. Die Heizlast ist die Leistung in Kilowatt, die ein Gebäude am kältesten Tag des Jahres braucht, um warm zu bleiben. Berechnet wird sie nach der Norm DIN EN 12831, und zwar für die tiefste Referenztemperatur am Standort. Für Stuttgart liegt dieser Wert beispielsweise bei etwa minus zwölf Grad Celsius.

In die Berechnung fließen unterschiedliche Zieltemperaturen je Raum ein, üblich sind rund 24 Grad Celsius im Bad, 21 Grad im Wohnraum und 16 Grad in unbeheizten Räumen wie Fluren. Aus dieser Bilanz ergibt sich die Heizlast, und aus der Heizlast wird die Größe der Wärmepumpe abgeleitet. Fachleute sprechen von Dimensionierung. Sie liegt meist zwischen 60 und 95 Prozent der berechneten Heizlast, weil die Bausubstanz Wärme speichert und die wenigen sehr kalten Tage abfedert.

Interessant ist der Vergleich mit der alten Anlage. Alte Gasbrenner sind fast immer überdimensioniert, weil ein größerer Brenner früher kaum teurer war als ein kleiner. Ein Gebäude mit einer Heizlast von 20 Kilowatt trägt so nicht selten einen Brenner mit 36 Kilowatt. Bei einer Wärmepumpe zahlt sich die richtige Größe dagegen unmittelbar aus, da ihr Preis fast linear mit der Leistung steigt.

Wie die Heizlastberechnung im Detail abläuft.

Heizkörper und Vorlauftemperatur: warum sich die Wärme anders anfühlt

Maßgeblich für die technische Prüfung ist die Vorlauftemperatur, also die Temperatur des Heizungswassers auf dem Weg zu den Heizkörpern. Eine alte Gasheizung arbeitet oft mit 60 bis 70 Grad Celsius, eine Wärmepumpe in der Regel nur bis etwa 55 Grad. Damit ein Heizkörper trotz niedrigerer Temperatur genug Wärme abgibt, muss mehr Wasser hindurchfließen, und manchmal muss der Heizkörper größer sein.

Ein kompletter Austausch aller Heizkörper ist dabei selten nötig. Häufig genügt es, einzelne Heizkörper zu vergrößern, oft im Bad, wo die Zieltemperatur am höchsten ist. Wer die Heizkörper dennoch flächendeckend erneuert, kann die Vorlauftemperatur weiter senken, auf etwa 45 bis 50 Grad Celsius, auch im Altbau, und profitiert zusätzlich von Förderung. Ein Tausch erhöht die Jahresarbeitszahl. Diese Kennzahl gibt an, wie viel Wärme die Wärmepumpe aus einer Einheit Strom gewinnt. Aus einer Kilowattstunde Strom werden bei einer Jahresarbeitszahl von 3,5 rund dreieinhalb Kilowattstunden Wärme. Neue Heizkörper können diesen Wert um etwa 0,5 anheben, was den Betrieb spürbar günstiger macht. Für das Gebäude mit 20 Kilowatt Heizlast liegt die elektrische Leistung der Wärmepumpe damit in der Größenordnung von rund 6 Kilowatt. Der genaue Wert ergibt sich aus der Dimensionierung und aus der Effizienz bei der tiefsten Außentemperatur, denn bei Kälte sinkt sie unter den Jahresmittelwert.

Die Bewohner mitnehmen

Unterschätzt wird oft ein praktischer Punkt: Die Heizkörper werden weniger heiß, und der Raum erreicht seine Zieltemperatur langsamer. Er erreicht sie aber zuverlässig. Wer das nicht weiß, greift bei der ersten kühleren Berührung des Heizkörpers schnell zum Telefon. Ein kurzer Aushang im Treppenhaus oder ein Einwurf in die Briefkästen erklärt den Bewohnern, was sich ändert, und erhöht die Akzeptanz deutlich.

Der hydraulische Abgleich: Pflicht für Förderung und Effizienz

Der hydraulische Abgleich sorgt dafür, dass jeder Heizkörper im Gebäude genau die Wassermenge bekommt, die er braucht. Ohne ihn werden einzelne Räume nicht richtig warm, während in anderen Leitungen störende Strömungsgeräusche entstehen. Grundlage für den Abgleich ist die Heizlastberechnung, da sie angibt, wie viel Leistung in Form von Wärme ein Heizkörper an den Raum abgeben muss.

Aus dieser Vorgabe berechnen die Effizienzpioniere die erforderliche Durchflussmenge des Heizungswassers, und zwar an zwei Stellen: an den Strangventilen in den Leitungen, von denen im Mehrfamilienhaus häufig eines pro Wohnung sitzt, und an den Ventilen der einzelnen Heizkörper. Die berechneten Werte stellt anschließend das Heizungsbauunternehmen an der Anlage ein.

Mehr zum hydraulischen Abgleich.

Kosten, Förderung und der rechtliche Rahmen

Ein Heizungstausch ist eine größere Investition. Sinnvoll ist es, das Projekt als Ganzes zu betrachten und nicht nur den Anschaffungspreis der Wärmepumpe. Denn zum geförderten Paket gehören auch die Planungsleistungen wie Heizlastberechnung und hydraulischer Abgleich sowie die Heizkörper, die im Zuge des Abgleichs getauscht werden.

Zu den Kosten der Umrüstung von Gas auf Wärmepumpe nennen wir bewusst keine festen Zahlen, weil sie vom Gebäude abhängen, sich Förderbedingungen laufend ändern und sich regional stark unterscheiden. Als Orientierung: Es gibt eine Grundförderung, die sich mit weiteren Boni bis zu einem gedeckelten Höchstsatz kombinieren lässt. Im Mehrfamilienhaus sind die förderfähigen Kosten je Wohneinheit gestaffelt. Der Fördermittelservice der Effizienzpioniere begleitet Anträge auf allen Ebenen und prüft im Einzelfall, welche Bausteine sich kombinieren lassen und wie die Maßnahme bestmöglich gefördert werden kann.

Auch die gesetzliche Grundlage hat sich geändert. Das Gebäudermodernisierungsgesetz (GModG) hat das frühere Gebäudeenergiegesetz (GEG) zum 29. Juli 2026 abgelöst und setzt beim Heizungstausch auf Technologieoffenheit. Für den Wechsel auf eine Wärmepumpe ändert das wenig, weil diese Lösung ohnehin zukunftssicher ist und über einen längeren Zeitraum gerechnet meist auch die wirtschaftlichste. Die Einzelheiten zum neuen Recht haben wir in einem eigenen Überblick zusammengefasst: GModG erklärt: Neue Regeln für Heizung, Sanierung und Förderung. Klar ist die Richtung bei den Betriebskosten. Der Brennstoff einer Gasheizung wird absehbar teurer, während Strom als Energiequelle für die Wärmepumpe als vergleichsweise stabil gilt.

Wärmepumpe und Photovoltaik kombinieren

Eine Wärmepumpe lässt sich gut mit einer Photovoltaikanlage verbinden. Als größter Einzelverbraucher im Gebäude nimmt sie den Solarstrom unmittelbar ab, weshalb diese Kombination am häufigsten geplant wird. Für Vermieter kommt ein zweiter Vorteil hinzu: Der Solarstrom lässt sich als Mieterstrom an die Bewohner abgeben, günstiger als der Netzbezug und dennoch wirtschaftlich für beide Seiten.

Rückbau: Was passiert mit dem Kamin?

Mit der Gastherme verschwinden auch die dazugehörigen Komponenten. Die alte Gasheizung wird ausgebaut, ebenso Speicher und Umwälzpumpen, die auf das bisherige System ausgelegt waren und für den Wärmepumpenbetrieb meist nicht mehr passen. Der Rückbau selbst dauert in der Regel nur wenige Stunden bis Tage. Die Inneneinheit der Wärmepumpe steht danach häufig an derselben Stelle im Heizungsraum, weil dort Platz ist und die vorhandenen Heizleitungen leicht erreichbar sind.

Überflüssig wird auch der Kamin, denn eine Wärmepumpe verbrennt keinen Brennstoff und braucht keinen Abzug für Abgase. Wo früher der Schornstein durch alle Geschosse führte, bleibt ein ungenutzter Schacht. Statt ihn zurückzubauen, lässt er sich oft weiterverwenden: Im Zusammenspiel mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach bietet er sich an, um die Stromkabel gesammelt und geschützt bis in den Keller zu führen, wo Wechselrichter und Zählerplatz meist untergebracht sind. So entstehen keine neuen Kabelwege durch das Gebäude, und der Schacht bekommt eine neue Funktion.

Von der Beratung bis zur Förderung: wie die Effizienzpioniere begleiten

Die Effizienzpioniere begleiten den gesamten Weg, von der ersten Beratung über die Planung und die Ausschreibung bis zur Auszahlung der Fördermittel. Wer anfragt, braucht nicht mehr als die Eckdaten des Gebäudes und den Entschluss, die Heizung zu tauschen. Den Rest übernimmt das Team.

Am Anfang steht ein Systemkostenvergleich. Dabei werden die Vollkosten verschiedener Technologien über einen längeren Zeitraum von etwa 20 Jahren gegenübergestellt, bezogen auf das konkrete Gebäude. Sehr oft ist die Wärmepumpe die effizienteste Lösung. Liegt eine Fernwärmeleitung in der Straße, kann ein Anschluss ans Wärmenetz die einfachere Alternative sein und wird mitgeprüft. Eine Pelletheizung ist im Mehrfamilienhaus selten die beste Wahl, wird aber ebenfalls geprüft und in den Vergleich einbezogen.

Die Ausschreibung übernimmt das Team ebenfalls. Passende Angebote werden gezielt eingeholt und anschließend miteinander verglichen. Daraus ergibt sich eine begründete Empfehlung, welcher Betrieb beauftragt werden sollte.

Der große Vorteil liegt in der Bündelung und Steuerung bei den Effizienzpionieren. Wer Heizungsbauer, Planungsbüro und Förderung selbst koordiniert, trägt das gesamte Schnittstellenrisiko. Mit einem Partner an der Seite, der Beratung, Heizungsplanung und Förderung aus einer Hand abdeckt, bleibt der Aufwand überschaubar.

FAQ

Kann man jede Gasheizung im Mehrfamilienhaus auf eine Wärmepumpe umrüsten?

Technisch lässt sich in fast jedes Gebäude eine Wärmepumpe einbauen. Entscheidend ist, wie effizient sie danach läuft. Das hängt vom energetischen Zustand des Gebäudes ab und wird zu Beginn in einer Gebäudeenergieberatung geprüft. Das Ergebnis überrascht Eigentümer häufig: Statt einer aufwendigen Sanierung der Gebäudehülle genügt oft ein punktueller Heizkörpertausch, um die Heizfläche zu vergrößern. Die Wärmepumpe ist besser als ihr Ruf.

Muss ich beim Wechsel auf eine Wärmepumpe alle Heizkörper tauschen?

Meist nicht. Oft genügt es, einzelne Heizkörper zu vergrößern, häufig im Bad. Ein kompletter Austausch ist selten nötig, kann aber die Vorlauftemperatur senken und den Betrieb effizienter machen.

Merken die Bewohner den Wechsel auf eine Wärmepumpe?

Ja, ein wenig. Die Heizkörper werden weniger heiß, und ein Raum braucht etwas länger, bis er warm ist. Warm wird es trotzdem zuverlässig. Ein kurzer Hinweis im Treppenhaus oder in den Briefkästen bereitet die Bewohner darauf vor und erhöht die Akzeptanz.

Ist der hydraulische Abgleich beim Heizungstausch Pflicht?

Ja. Der hydraulische Abgleich ist seit Oktober 2024 beim Heizungstausch gesetzlich vorgeschrieben. Für eine geförderte Wärmepumpe ist zusätzlich das genauere Verfahren B erforderlich.

Welche Förderung gibt es für die Umrüstung auf eine Wärmepumpe?

Es gibt eine staatliche Grundförderung, die sich mit weiteren Boni bis zu einem gedeckelten Höchstsatz kombinieren lässt. Auch Planungsleistungen und getauschte Heizkörper sind förderfähig. Weil sich die Konditionen ändern, lohnt sich eine frühzeitige, individuelle Prüfung.

Lohnt sich der Umstieg von Gas auf Wärmepumpe wirtschaftlich?

Eine Heizung verursacht im Betrieb immer Kosten. Bei der Wärmepumpe ist die Anfangsinvestition höher, dafür sind die Betriebskosten in der Regel niedriger, vor allem in Kombination mit Photovoltaik. Da Gas absehbar teurer wird, fällt der Vergleich über die Laufzeit häufig zugunsten der Wärmepumpe aus.

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